Francis Lieber

Francis Lieber Lecture on International Law

Francis Lieber
Foto: Jaques Reich/James G. Wilson/John Fiske (Quelle: Appletons' Cyclopædia of American Biography, 1892, Band 3, S. 710; Bearbeitung durch Abt. Hochschulkommunikation)

Zum ersten Vortrag in der neuen Reihe

Am 30. November 2022, 18:00 Uhr spricht

Prof. Dr. Heike Krieger

zum Thema Von den völkerrechtlichen Fesseln befreit? Zur Rolle des Rechts in der "neuen Weltunordnung". Die Veranstaltung findet im Großen Rosensaal, Fürstengraben 27, 07743 Jena, statt.

Prof. Dr. Heike Krieger stellt die Frage, ob sich „eine realistische Politik für das 21. Jahrhundert von der Fessel des selbstverordneten völkerrechtlichen Dogmas lösen“ (Carlo Masala) muss. Viele sehen im Ukrainekrieg den entscheidenden Schritt in eine „neue Weltunordnung“, die durch Konkurrenz und Konflikt statt Kooperation geprägt sei. Für diese Welt sei das Völkerrecht, wie es sich seit 1945 heraus-gebildet hat, nicht mehr geeignet. Ist es also politisch naiv, zukünftig noch für die Wirkkraft des Völkerrechts zu streiten?

Prof. Dr. Heike Krieger ist Professorin für Öffentliches Recht und Völkerrecht an der Freien Universität Berlin, ehemalige Richterin des Verfassungs­gerichtshofs des Landes Berlin und Sprecherin der Kolleg-Forschungsgruppe „The International Rule of Law – Rise or Decline?“.

Das Veranstaltungsplakat ist hier [pdf, 661 kb] abrufbar.

Wenn Sie an einer Teilnahme via Livestream interessiert sind, melden Sie sich bitte per E-Mail an susanne.prater@uni-jena.de an.

 

Die Francis Lieber Lecture

Aus Anlass von Francis Liebers 200. Promotionsjubiläum und 150. Todestag findet an der Friedrich-Schiller-Universität Jena 2022 die erste Francis Lieber Lecture on International Law statt. Francis (ursprünglich „Franz“) Lieber, geb. 1798 in Berlin, war ein deutsch-amerikanischer Jurist, Staatsphilosoph und Diplomat. Als junger liberaler Aktivist, der in den Napoleonischen Kriegen und der Griechischen Revolution kämpfte, gelangte er an die Universität Jena, an der er im Juli 1820 promoviert wurde. Nach seiner Auswanderung in die USA im Jahr 1827 erlangte er dort große Bekanntheit u.a. als Begründer der Encyclopedia Americana. Weltweit bekannt ist Francis Lieber als Autor des „Lieber Code“ von 1863, des ersten schriftlich fixierten Regelwerks mit Vorgaben zu Methoden der Kriegsführung, das für die Streitkräfte der Unionstruppen im Amerikanischen Bürgerkrieg galt und später von weiteren militärischen Organisationen übernommen wurde. Schließlich bildete der „Lieber Code“ die Grundlage für die Entstehung des humanitären Völkerrechts, etwa der Haager Konventionen von 1899 und 1907. Seiner Zeit voraus, erkannte Lieber die Notwendigkeit eines systematischen, institutionalisierten Verhaltenskodex, um die verheerenden Folgen des Krieges zu lindern, die Zivilbevölkerung zu schützen und die angemessene Behandlung von Kriegsgefangenen zu gewährleisten. Nach dem Bürgerkrieg diente Lieber als diplomatischer Unterhändler und Schiedsrichter zwischen den USA und Mexiko. Daneben arbeitete er mit Völkerrechtswissenschaftlern wie J. C. Bluntschli zusammen, dessen Werk „Das moderne Völkerrecht der civilisirten Staten“ von 1868, das als erster deutschsprachiger Kodifikationsversuch des Völkerrechts gilt, er inspirierte. So ist Francis Lieber nicht nur der Vater des humanitären Völkerrechts, sondern gestaltete und inspirierte das Völkerrecht über das Recht des Krieges hinaus. Als weltläufiger Freigeist, Immigrant, Philosoph und Diplomat steht er für die Weiterentwicklung der Weltgemeinschaft durch die Förderung eines internationalen Rechtsbewusstseins.