Schwerpunktbereich 2: Deutsches und europäisches Wirtschaftsrecht

I. Überblick

Der Schwerpunktbereich "Deutsches und Europäisches Wirtschaftsrecht" ermöglicht es den Studierenden, sich unter besonderer Berücksichtigung europäischer und internationaler Bezüge und in Kooperation mit Praktikern sowohl aus renommierten Anwaltskanzleien als auch aus privaten und öffentlichen Wirtschaftsunternehmen gezielt auf eine Tätigkeit als Wirtschaftsjurist vorzubereiten. Zugleich bieten die in diesem Schwerpunktbereich angebotenen Lehrveranstaltungen sowohl des privaten als auch des öffentlichen Wirtschaftsrechts die Chance für einen Einstieg in den Aufbaustudiengang "Privates und öffentliches Wirtschaftsrecht" und den Erwerb eines LL.M.oec.  

Der Schwerpunktbereich 2 umfaßt insbesondere folgende Teilgebiete:

  • Deutsches und Europäisches Unternehmensrecht 
  • Recht des geistigen Eigentums, Wettbewerbs- und Kartellrecht
  • Internationales Wirtschaftsrecht
  • Recht der regulierten Wirtschaft

Aus diesen Teilgebieten werden regelmäßig Lehrveranstaltungen angeboten, die von den Studierenden frei gewählt werden können. Möglich ist - speziell im Hinblick auf die notwendigen Abschlußklausuren gem. § 15 SBPrüfO - sowohl die Kombination verschiedener Veranstaltungen aus einem Teilgebiet als auch aus verschiedenen Teilgebieten. Es ist allerdings empfehlenswert, sich in dem Teilgebiet, in dem das Seminar mit wissenschaftlicher Arbeit belegt wird, umfassende Rechtskenntnisse zu verschaffen; hierzu ist der Besuch möglichst zahlreicher im betreffenden Teilgebiet angebotener Veranstaltungen ratsam.

 

II. Teilbereiche und angebotene Veranstaltungen

1. Der Teilbereich "Deutsches und Europäisches Unternehmensrecht" baut auf dem Pflichtstoff des Handels- und Gesellschaftsrechts auf und vermittelt vertiefte Kenntnisse im Recht der Aktiengesellschaft und der GmbH, und zwar unter Einschluß der europäischen und internationalen Bezüge. Angesichts der großen praktischen Bedeutung wird dem Recht der Unternehmenstransaktionen (Mergers & Acquisitions) und dem Sonderrecht für kapitalmarktorientierte Unternehmen (Börsengesellschaftsrecht) besondere Beachtung geschenkt.

An zahlreichen Lehrveranstaltungen wirken hochqualifizierte Praktiker mit (Unternehmensjuristen, Anwälte, Notare). Zusätzliche praktische Anschauungen werden zum einen durch die Möglichkeit der Teilnahme an Verhandlungen des für Gesellschaftsrecht zuständigen 6. Zivilsenats des Thüringer Oberlandesgerichts vermittelt, zum anderen durch die Möglichkeit, in der Rechtsabteilung eines Unternehmens oder einer gesellschaftsrechtlich spezialisierten Anwaltskanzlei ein Praktikum zu absolvieren.

Folgende Veranstaltungen werden typischerweise angeboten:

Aufbauend auf den Pflichtstoff-Vorlesungen Handelsrecht und Grundzüge des Gesellschaftsrechts finden - beginnend ab WS 2014/2015 - im Jahresturnus folgende Veranstaltungen im SB 2 statt:

WS

  • Aktien- und GmbH-Recht I (Klausur)
  • Seminar

SoSe

  • Aktien- und GmbH-Recht II (Klausur)
  • Seminar
  • Spezialvorlesung (Klausur), zB Europäisches Unternehmensrecht, Kapitalmarktrecht, Vertragsgestaltung und Gesellschafterstreit


2. Gegenstand des Teilbereiches "Recht des geistigen Eigentums, Wettbewerbs- und Kartellrecht" ist unter anderem das Recht der immateriellen Güter, heute oft als "Recht des geistigen Eigentums" bezeichnet. Hierzu zählen der Gewerbliche Rechtsschutz (Patentrecht, Geschmacksmusterrecht, Markenrecht) und das Urheberrecht, das Recht der schöpferisch Tätigen. Geistige Leistungen werden vor Nachahmungen geschützt. Die genannten Rechtsgebiete haben in den vergangenen Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen, insbesondere aufgrund neuerer technischer Entwicklungen (Internet) und der Intensivierung des internationalen Warenhandels (Produktpiraterie, Markenfälschungen).

Das Wettbewerbsrecht (Lauterkeitsrecht) will die Fairness des wirtschaftlichen Wettbewerbs sicherstellen. Wettbewerber und Verbraucher sollen vor unzulässigen Geschäftspraktiken wie irreführender Werbung geschützt werden.

Das Kartellrecht gewährleistet Existenz und Funktionieren des Wettbewerbs. Dies geschieht durch das Verbot von Kartellen (z.B. von Preisabsprachen), durch die Verhinderung des Mißbrauchs wirtschaftlicher Macht (z.B. von Preismißbrauch in Ausbeutung der Kunden) sowie durch präventive Kontrolle von Unternehmenszuammenschlüssen (Fusion, kontrollbegründender Anteilserwerb). Insbesondere die kartellrechtliche Mißbrauchsaufsicht steht in engem Zusammenhang mit der Energie- und Telekommunikationsregulierung nach EnWG und TKG.

Der Schutz des geistigen Eigentums ist mit Jena eng verknüpft: Eine große Dienststelle des Deutschen Patent- und Markenamtes befindet sich in Jena. Ebenso haben viele innovative Unternehmen, die auf dem Schutz ihrer geistigen Leistungen angewiesen sind, ihren Sitz in der Region. Praktische Einblicke in das Gebiet gibt der internationale renommierte Markenrechtler Prof. Dr. Ingerl, der an der Fakultät als Honorarprofessor tätig ist.

Folgende Veranstaltungen werden typischerweise angeboten:

  • Vorlesung: Wettbewerbsrecht
  • Vorlesung: Kartellrecht
  • Vorlesung: Markenrecht
  • Vorlesung: Patent- und Musterrecht
  • Vorlesung: Urheberrecht
  • Kolloquium: Aktuelle Rechtsprechung zum Wettbewerbsrecht
  • Seminar zum Wettbewerbsrecht und zum Recht des geistigen Eigentums

3. Der Teilbereich "Internationales Wirtschaftsrecht" umfaßt sowohl die international-privat- als auch die völkerrechtlichen Bezüge des transnationalen Wirtschaftsrechts. Die Vorlesungen und Seminare, an denen auch hochqualifizierte Praktiker mitwirken, vermitteln Kenntnisse aus dem Bereich des Internationalen Privat- und Verfahrensrechts, des Welthandels- und Völkerrechts sowie des Internationalen Einheits- und Schiedsverfahrensrechts. Für die Rechtsgestaltung bei Rechtsverhältnissen mit grenzüberscheitendem Bezug ist ein Grundverständnis dieser Rechtsgebiete unabdingbar.

Folgende Veranstaltungen werden typischerweise angeboten:

  • Vorlesung: Grundzüge des Internationalen Privatrechts
  • Vorlesung: Wirtschaftsvölkerrecht (Welthandelsrecht)
  • Seminar zum Europäischen und internationalen Wirtschaftsrecht

4. Der Teilbereich "Recht der regulierten Wirtschaft" beschäftigt sich mit den privat- und öffentlich-rechtlichen Vorschriften des Regulierungsrechts. Beispiele sind die Netzregulierung im Bereich Energie- und Telekommunikation oder das Kapitalmarktrecht, hier speziell das Recht der Finanzdienstleistungsaufsicht. In die Lehre eingebunden sind die Mitglieder des Instituts für Energiewirtschaftsrecht, speziell der Honorarprofessor Dr. Michael Lippert.

Folgende Veranstaltungen werden typischerweise angeboten:

  • Vorlesung: Energiewirtschaftsrecht
  • Seminar zum Energiewirtschaftsrecht

Verantwortlicher: Prof. Dr. Bayer