Geschichte

Die Anfänge

Seit dem Jahre 1558, als Kaiser Ferdinand I. die "Hohe Schule" Jenas zur Universität erhob, gehört die Ausbildung von Juristen zu deren wichtigsten Aufgaben. Vor allem die Rezeption des Römischen Rechts in Deutschland hatte an den Fürstenhöfen, in Kanzleien, Regierungs-collegia und bei Streitigkeiten der Bürger im Rechts- und Geschäftsverkehr untereinander einen erheblichen Bedarf an examinierten Juristen geschaffen.
Bereits 1554 war Basilius Monner als erster Professor der Jurisprudenz für die Lehre bezüglich der Institutionen an die "Hohe Schule" berufen worden. Die erste Promotion erfolgte 1558 durch Matthäus Wesenbeck.

Frühe professorale Tätigkeitsschwerpunkte

Neben der reinen Lehrtätigkeit wurden die Rechtsgelehrten der Fakultät zur Erstattung von Gutachten in praktischen Fragen herangezogen. Der so 1558 gegründete Jenaer Schöppenstuhl, der sich bald als eine feste Spruchkörperschaft Mitteldeutschlands etablierte, konnte bis in das Jahr 1879 von Gerichten in bei ihnen anhängigen Verfahren schriftlich um eine Entscheidung gebeten werden. Bis zum Inkrafttreten des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1877 am 01.Oktober 1879 blieb dies Praxis für Rechtsstreitigkeiten aller Art. Parallel dazu bestand von 1566 bis 1816 das Jenaer Hofgericht, dem ebenfalls Professoren angehörten, und dessen Aufgaben sich auch auf diplomatische Angelegenheiten erstreckten.
Im 17. Jh. entwickelte sich in Jena vor allem das Staatsrecht als selbständiges Rechtsgebiet. Dominicus Arumäus untermauerte mit der von ihm aufgestellten Souveränitätslehre das im Reich herrschende Territorialstaatsprinzip. Johann Limnäus, seinerseits Verfasser eines deutschen Reichsstaatsrechts, wurde nach Abschluß seines Studiums 1621/22 selbst als akademischer Lehrer an der Fakultät tätig.

Die Blütezeit

Daneben vollzog sich gegen Ende des 17./Anfang des 18. Jahrhunderts ein Wandel von der universellen-europäischen Jurisprudenz hin zu einer deutschen Rechtswissenschaft. Begünstigend wirkte sich dabei die Nähe zur Philosophischen Fakultät aus. Germanistische, naturrechtliche und aufklärerische Ideen fanden schließlich durch das Wirken verschiedener Rechtsgelehrter, u.a. Georg Adam Struves, Eingang in die deutsche Rechtsgelehrsamkeit.
Zu ihrer eigentlichen Blütezeit gelangte die Rechtswissenschaftliche Fakultät an der Schwelle zum 19. Jahrhundert. Untrennbar verbunden ist diese mit Rechtsgelehrten Gottlieb Hufeland, Paul Johann Anselm Feuerbach und Anton Friedrich Justus Thibaut, der zu seiner Zeit als einer der hervorragendsten deutschen Zivilrechtler galt. In Schillers Gartenhaus entstand sein Hauptwerk "System des Pandektenrechts".



feuerbach

Paul Johann Anselm Feuerbach

(1775 - 1833) 

 thibaut

Anton Friedrich Justus Thibaut

(1772 - 1840)

Nachdem diese Gelehrten die Fakultät verlassen hatten, machte sich auch hier ein allgemeiner Niedergang der Universität nach 1806 bemerkbar. Hervorhebenswert bleibt, daß im Jahre 1816 zum einen unter der Federführung Christian Wilhelm Schweitzers als eine der ersten deutschen Verfassungen die des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach niedergeschrieben, zum anderen ein gemeinschaftliches Oberappellationsgericht in Jena errichtet wurde, dessen Gerichtsräte auch von Professoren der Fakultät gestellt wurden. Auch an namhaften Gelehrten, wie etwa Burkhard Wilhelm Leist, Andreas Ludwig Jacob Michelsen, Wilhelm Endemann, Wilhelm von Gerber, Carl Julius Guyet, Richard Loening, Heinrich Luden II, mangelte es in diesen Jahrzehnten nicht. Dennoch kann erst in den siebziger Jahren, im Zuge der Industrialisierung, von einem wirklichen Aufschwung gesprochen werden.

Die Ausbildung von Juristen für Gerichte, Verwaltung, Kanzleien und zunehmend auch für die Wirtschaft bestimmte jetzt die Aufgaben der Fakultät. Justus Wilhelm Hedemann, Hans Adolf Fehr, Heinrich Gerland, Richard Lange, Karl Arwed Blomeyer, Alfred Hueck, Hans Carl Nipperdey, Eduard Rosenthal u.v.a. trugen ihren Teil dazu bei.

Das späte 19. und 20. Jahrhundert

Nachdem das Oberlandesgericht Jena seine Tätigkeit am 1. Oktober 1879 aufgenommen hatte, wurden auch hier Professoren der Fakultät als Räte in die Spruchpraxis des Gerichts mit einbezogen.

1923 wurde die Fakultät durch Anschluss der Nationalökonomie zur Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät erweitert.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 degradierte man die Rechtswissenschaftliche Fakultät zu einem Instrumentarium totalitärer Machtentfaltung. Nach dem Ende des Krieges wurde 1945 der Lehrbetrieb wiederaufgenommen.

Die aufkeimenden Hoffnungen auf einen demokratischen Neuanfang zerschlugen sich jedoch abermals. Im Zuge der 3. Hochschulreform wurde die Fakultät im Jahre 1968 zunächst aufgelöst und für die folgenden 3 Jahre wurden keine Neuimmatrikulationen zugelassen. Ab 1971 wurden dann vornehmlich zukünftige Staatsanwälte in einer Sektion Staats- und Rechtswissenschaft zu Diplomjuristen ausgebildet.

Die Neugründung der Fakultät nach der politischen Wende 1989

Der Neubeginn nach der politischen Wende im Jahre 1989 brachte für die gesamte Universität weitreichende Reformen mit sich. Dozenten wurden nach dem Kriterium der persönlichen Eignung und ihrer fachlichen Qualifikation evaluiert. Ab dem Wintersemester 1990/91 konnte von Professoren aus Marburg, Erlangen und Frankfurt am Main wieder ein in Ansätzen ordnungsgemäßes Vorlesungsprogramm angeboten werden. Als äußeres Zeichen für den erfolgreichen Abschluss der ersten Aufbauphase wurde die Fakultät am 27.11.1992 im Rahmen eines Festaktes durch den Thüringer Minister für Wissenschaft und Kunst formal neugegründet.

Mit der Einrichtung von Lehrstühlen wurde im Sommersemester 1992 begonnen. Deren Anzahl hat sich von damals 7 auf nunmehr 20 erhöht.

Gleichzeitig stieg auch die Zahl der Studierenden seit dem Wintersemester 1992/93 stark an.

In räumlicher Hinsicht hat sich insbesondere die Qualität der rechtswissenschaftlichen Bibliothek durch den Umzug vom Universitätsturm in das neue Juridicum in der Carl-Zeiß-Straße deutlich verbessert. Die neuen Räumlichkeiten sowie die Ausstattung der Bibliothek und der Lehrstühle mit neuester Computertechnologie haben dazu beigetragen, den bereits vorhandenen hohen Standard in Forschung und Lehre an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät weiter auszubauen.

(Text erarbeitet von Prof. Dr. G. Lingelbach)